Freundschaft

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Mit vielen Menschen befreundet zu sein ist Illusion, Wunschdenken. Es bedeutet auch mit niemand richtig befreundet zu sein.

"Richtige Freundschaft" zeichnet sich eben genau dadurch aus, das man nicht alles für den Anderen tut. Und selbstverständlich auch nicht, daß man gegen den Anderen etwas tut.

Wie die Liebe zu Eltern, oder der Liebe zwischen den Eltern, zu den Kindern, zum Partner, oder auch zum Haustier ist die Freundschaft ein Ausdruck, eine Form der Liebe. Genausowenig wie man Liebe erzwingen kann, kann man Freundschaft erzwingen.

Man läßt keinen Freund an seinem Wesen genesen, schon gar nicht mit Gewalt.

Wenn Dich ein Bettler um einen Euro fragt, gib ihm den Euro oder gehe vorbei. Beides ist in Ordnung. Wenn es beide möchten, ist auch gegen einen Smalltalk nichts einzuwenden.

A ber wenn Dich ein Bettler um einen Euro fragt, drücke ihm kein Stück Holz in die Hand und schlage ihm kein Stück Holz über den Schädel.

Im ersten Fall hat jeder etwas dazugewonnen. Der einzige der etwas von der zweiten Methode profitieren könnte, wäre eventuell der Stück Holzhändler.

A ndererseits, wenn Dich jemand fragt ihm bitteschön ein Stück Holz über den Schädel zu ziehen, ist dieses ungehörige Ansinnen natürlich aus christlicher wie aus humanistischer Sicht, je nachdem, abzulehnen.

Und wenn derjenige nicht nachläßt darum zu bitten ihm ein Stück Holz über den Schädel zu ziehen? Fragt und fragt und fragt, ein dutzendmal, zwei dutzendmal. Was ist dann mit Christen- und Humanistenbrauch?

Dann, aber auch nur dann, wähle man sorgfältigst ein geeignetes Stück Holz, informiere sich gründlich über die verschiedenen Holzsorten und deren spezielle Eigenschaften und holt verschiedene Angebote und Meinungen von anerkannten Stück Holzhändlern ein. Wählerisch sein, heißt die Devise!

Unnötige Hast und Eile sind in dieser ernsten Angelegenheit zu vermeiden. Sie schmälern und gefährden den Erfolg.

Schließlich erwirbt man das Beste zur Verfügung stehende Material, bittet den ungehörigen Antragsteller zu sich. Innere Ruhe und Sammlung soll nun den großzügigen Schenker erfüllen.

Dann zieht man diesem Ungehörigen kräftig, sehr kräftig, damit einmal oder auch mehrmals über den Schädel, so daß er niemals wieder mit einer solchen Bitte vor einem erscheint.


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© 2002 D. Sax

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