Also sprach Zarathustra
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Dieses Buch habe ich mindestens 4 mal in unterschiedlichen, nicht einfachen Zeiten gelesen. Bei Büchern von Friedrich Nietzsche ist etwas Vorsicht geboten, da seine Schwester die ihn "zu Tode" gepflegt hat in seinen Manuskripten großzügige Veränderungen vorgenommen hat. Dazu müßte man mal diese Biographie (?) lesen die genauer darauf eingeht. Bei Also sprach Zarathustra hat sie meines Wissens nach ihre Finger nicht mit drinnen gehabt. Dort steht auch der Satz den Bildungsbürger gerne zitieren wenn der Name F. Nietzsche fällt: Gott ist tot. Woran er denn gestorben ist wissen sie dann schon nicht mehr. Ich verrate es nicht, selber lesen. Was in Zusammenhang mit dem Namen Nietzsche genannt wird um fast zustande gekommene interessante Gespräche mit Nullaussagen vorzeitig zu beenden ist der Nihilismus. Nietsche hat alle moralische Werte und Vorstellungen für Null und Nichtig erkärt. Fertig. Schnell zu einem Thema gewechselt von dem man etwas mehr schwätzen kann. Meine persönliche Meinung ist, daß er alle wahren moralischen Werte nihiliert hat. Nicht die geheuchelten. Jenes fand ich unter ihnen am schlimmsten: Das Diejenigen die befehlen die Tugendenden Derer heucheln die dienen. Online 1 lesen ist schon in Ordnung. Aber ich muß solche Bücher besitzen, eingebunden, schwarz auf weiß in einer den Lesefluss verlangsamenden alten Schriftart gedruckt. |
Von der Nächtstenliebe
Ihr drängt euch um den Nächsten und habt schöne Worte dafür.
Aber ich sage euch: eure Nächstenliebe ist eure schlechte Liebe zu
euch selber.
Ihr flüchtet zum Nächsten vor euch selber und möchtet euch daraus
eine Tugend machen: aber ich durchschaue euer "Selbstloses".
Das Du ist älter als das Ich; das Du ist heilig gesprochen aber noch
nicht das Ich: so drängt sich der Mensch zum Nächsten.
Rate ich euch zur Nächstenliebe? Lieber noch rate ich euch zur
Nächsten-Flucht und zur Fernsten-Liebe!
Höher als die Liebe zum Nächsten steht die Liebe zum Fernsten und
Künftigen; höher noch als die Liebe zu Menschen gilt mir die Liebe
zu Sachen und Gespenstern.
Dies Gespenst, das vor dir herläuft, mein Bruder, ist schöner als
du; warum gibst du ihm nicht dein Fleisch und deine Knochen? Aber du
fürchtest dich und läufst zu deinem Nächsten.
Ihr haltet es mit euch selber nicht aus und liebt euch nicht genug:
nun wollt ihr den Nächsten zur Liebe verführen und euch mit seinem
Irrtum vergolden.
Ich wollte, ihr hieltet es nicht aus mit mit alllerlei Nächsten und
deren Nachbarn; so müßtet ihr aus euch selber euren Freund und sein
überwallendes Herz schaffen.
Ihr ladet euch Zeugen ein, wenn ihr von euch gut reden wollt; und
wenn ihr ihn verführt habt, gut von euch zu denken, denkt ihr selber
gut von euch.
Nicht nur der lügt, welcher wider sein Wissen redet, sondern erst
recht der, welcher wider sein Nichtwissen redet. Und so redet ihr
von euch im Verkehre und belügt mit euch den Nachbar.
Also spricht der Narr: "der Umgang mit Menschen verdirbt den
Charakter, sonderlich wenn man keinen hat."
Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der Andre, weil
er sich verlieren möchte. Eure schlechte Liebe zu euch selber macht
euch aus der Einsamkeit ein Gefängnis.
Die Ferneren sind es, welche eure Liebe zum Nächsten bezahlen; und
schon wenn ihr zu fünfen seid, muß immer ein sechster sterben.
Ich liebe auch eure Feste nicht: zu viel Schauspieler fand ich
dabei, und auch Zuschauer gebärdeten sich oft gleich Schauspielern.
Nicht den Nächsten lehre ich euch, sondern den Freund. Der Freund sei
euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl auf den Übermenschen.
Ich lehre euch den Freund und sein übervolles Herz. Aber man muß
verstehn, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen
geliebt sein will.
Ich lehre euch den Freund, in dem die Welt fertig dasteht, eine
Schale des Guten, - den schaffenden Freund, der immer eine fertige
Welt zu verschenken hat.
Und wie ihm die Welt auseinander rollte, so rollt sie ihm wieder in
Ringen zusammen, als das Werden des Guten durch das Böse, als das
Werden der Zwecke aus dem Zufalle.
Die Zukunft und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in
deinem Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.
Meine Brüder, zur Nächstenliebe rate ich euch nicht: ich rate zur
Fernsten-Liebe.
Also sprach Zarathustra.
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