Der Umzug und die Würde des Menschen

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Umzug

Vor einem Jahr (2000) bin ich nach H. umgezogen. Da ich erst nach einer Woche eine Wohnung gefunden hatte und die Wohnung in dem Zustand auch noch nicht bewohnbar war, mußte ich einige Wochen im Hotel verbringen.

Das Hotel liegt in Bahnhofsnähe. Jeden Morgen, wenn ich aus dem Haus, Hotel kam, begegnete ich Prostituierten, bettelnden Junkies und sich prostiuierenden Junkies. Abends oder Nachts war schon mal Randale auf der Strasse. Rekord waren wohl drei größere Polizeieinsätze in einer Woche.

Diese Junkies, Frauen, waren Minderjährig und sahen aber schon so mitgenommen aus, daß ich mir nicht vorstellen kann wie ein Mann gefallen daran finden kann, seine Triebe an Haut und Knochen und offenbarer Ungesundheit auszuleben. Das mit der offenbaren Ungesundheit soll keine Beleidigung der Mädchen sein.

Einen Tag bin ich dann Richtung U-Bahn gegangen als mir eins dieser Mädchen schon von weitem auffiel, daß sich um einen Mann bemühte. Sie waren im Gespräch. Sie sprach nicht nur mit ihm sondern streichelte auch seinen Arm.

Er hatte einen Anzug der preiswerten Sorte an, eine Ledermappe unter dem Arm und genoss es sichtlich wie dieses Mädchen sich abmühte ihn herumzubekommen. Bis hierhin die Fakten. Was mir spontan in den Sinn kam als ich diesen Mann sah ist Intuition oder Spekulation:

Der Mann mit dem billigen Anzug arbeitet bei einer Sparkasse oder einer Versicherung und wird niemals mit diesem Mädchen mitgehen. Egal wie sehr sie mit dem Preis hinuntergeht, weil sie den nächsten Schuß braucht. Ihm geht es nur darum sich etwas Bestätigung zu holen. Er wird dann nach Hause ins hyptohekenbelastete Reihenhaus fahren, etwas mit den Kindern scherzen und dann seiner Frau in den Hintern kneifen, ihr so schmutzig wie so einer kann zuzwinkern und ihr dann erzählen wie er seinem Chef so richtig die Meinung gesagt hat. Von wegen Beförderung und so.

Das war einfach eine Beobachtung und ein paar spontane Gedanken die mir dabei kamen und keine moralische Entrüstung die auf Barrikaden steigen möchte.

Und es ist einfach nur der Grund, warum ich keine Drogen mag. Sie nehmen den Menschen die Würde.


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© 2002 D. Sax

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